Nachtigalllied

– für Stefan Zweig
(Text: Selma Meerbaum/ Musik: Dieter Halbach)

Leuchtendes, glühendes,rauschendes Leben
springt an und reißt mit und lässt keinen mehr los,
Macht heiß und macht kühn und macht freudig und groß,
rüttelt auf und macht wacher mit kraftvollem Stoß,
lässt die Fluten von Glanz nie und nimmer verebben –

packt dich und hält dich und sprudelt dich an.
Sturzflut erfasst dich und rast mit dir fort –
was kein Wildbach, kein Wirbel, kein Hochwasser kann,
hat dies Atmen vieltausende Male schon getan,
dieses heiße, verzehrende, glasklare Wort.

Kühl dann und still wie ein nordischer See,
glitzernd und weich wie frisch fallender Schnee,
sieht es uns an wie viel uraltes Gold,
das altrot und schwer durch die Finger rollt
und schön ist wie sonst nur unsagbarer Traum,
der dich ansieht, tief leuchtend aus dunkelndem Raum-

und bäumt sich dann auf, als besinne es sich
und packt wieder an und reißt wieder mit,
schreit dich an, lacht dich an, weint dich an: das bin ich!
Und es packt dich ein Sehnen, das süß ist und zieht,
ein Sehnen nach Menschen, ein heißes: „versprich!“
und dann klingt es aus wie ein Nachtigallied,
wie ein Nachtigallied.