Noor Inayat Khan

*1914 in Moskau, ermordet 1944 im KZ Dachau

Noor Inayat KhanNoor Inayat Khan war eine Agentin der britischen nachrichtendienstlichen Spezialeinheit (SOE) im Krieg gegen Nazi-Deutschland. Sie wurde 1914 als ältestes von vier Kindern des indischen Sufimeisters Hazrat Inayat Khan und seiner amerikanischen Frau  Ora Meena Ray Baker geboren. Hazrat Inayat Khan ist der Gründer des Internationalen Sufi-Ordens. Er gilt als Wegbereiter eines weltoffenen westlichen Sufismus. Zwei Aspekte standen dabei im Mittelpunkt des familiären Lebens, die auch Noor tief geprägt haben: Zum einen die Musik, zum anderen eine zwar undogmatische und tolerante, aber dennoch tief religiöse Frömmigkeit. Dabei war die Musik wichtigster Ausdruck von Religiosität und zugleich Erkenntnisinstrument für religiöse Wahrheit.

Kurz nach Noors Geburt, zu Beginn des Ersten Weltkrieges, zog die Familie nach London, sechs Jahre später nach Paris. Dort erhielt Khan eine Musikausbildung bei der berühmten Komponistin, Pianistin und Dirigentin Nadia Boulanger. Sie veröffentlichte auch ihr erstes Buch, die Märchensammlung Twenty Jataka Tales. 1940 verließ sie mit ihrer Familie Paris und floh vor den deutschen Besatzern nach London. Im November 1940 trat Noor in die Womens Auxiliary Air Force (WAAF) ein, obwohl der Militärdienst ihrer pazifistischen Überzeugung widersprach. Doch sie wollte sich am Widerstand gegen die Nazi-Tyrannei  aktiv beteiligen. Ihr tief verwurzelter Pazifismus drängte sie zur Tat. Sie träumte davon, nach dem Krieg für die indische Unabhängigkeitsbewegung zu arbeiten und eine Brücke zwischen Briten und Indern zu sein. Im Oktober 1942 wurde sie von SOE wegen ihrer perfekten Französischkenntnisse angeworben, um im besetzten Frankreich die Résistance zu unterstützen. Am frühen Morgen des 17. Juni 1943 landete sie zusammen mit zwei weiteren SOE-Agentinnen mit Fallschirmen in der Nähe von Angers. Unter dem Tarnnamen „Madeleine“ und mit einem gefälschten Ausweis sollte sie von Paris aus als erster weiblicher SOE-Funker für einen britischen Agentenring arbeiten, der bereits mit der Résistance zusammenarbeitete. Manche der Mitarbeiter meinten, sie wäre zu emotional und träumerisch, um im Geheimdienst zu arbeiten In der Tat hatte sie einen der gefährlichsten Aufgaben überhaupt, konnte keine 20 Minuten am gleichen Ort verweilen. Der Geheimdienstchef beschrieb sie später als eine der außergewöhnlichsten Menschen, denen er je begegnet ist:

„I see her very clearly as she was that first afternoon, sitting in front of me in that dingy little room, in a hard kitchen chair on the other side of a bare wooden table. Indeed of them all, and there were many, who did not return, I find myself constantly remembering her with a curious and very personal vividness which outshines the rest… the small, still features, the dark quiet eyes, the soft voice, and the fine spirit glowing in her.“ (Captain Selwyn Jepson)

In den folgenden Wochen wurden zahlreiche Agenten aus dem „Prosper“-Umfeld von den Deutschen verhaftet, doch Khan konnte ihren Funkverkehr nach London noch bis Mitte Oktober aufrechterhalten. Vermutlich um den 13. Oktober 1943 wurde sie von der Gestapo festgenommen.

Etwa einen Monat lang wurde Khan verhört und gefoltert, gab aber nichts von Bedeutung preis. Nach zwei fehlgeschlagenen Fluchtversuchen wurde Khan schließlich am 27. November 1943 nach Deutschland überführt und von dort am 12. September 1944 in das KZ Dachau deportiert, wo schon 3 weitere SOE Agentinnen inhaftiert waren. Am Morgen des 13. September mussten die vier Frauen auf dem Boden niederknien und wurden einzeln mit Genickschüssen getötet. Ihre Leichen wurden verbrannt. Es wird berichtet, dass Noors letzte Worte „Liberte´“ waren. Vorher wurde versucht sie zu zwingen „Heil Hitler“ zu sagen. Ihre Antwort war: „Eines Tages wirst du die Wahrheit erkennen.“

Am 30.6.1996 fand unter der Leitung ihres Vaters Pir Vilayat ein Gedenkkonzert zu Ehren aller Opfer des KZ Dachau statt.

https://www.youtube.com/watch?v=49Q8M_1Uyp8 (Hohe Messe in Dachau)

Bücher:
Noor Inayat Khan:
•    Zwanzig Jātaka-Geschichten (20 farbige Illustrationen, Hrsg: Petama Project, Zürich)
•    König Akbars Tochter Verlag Heilbronn 2016
•    Monika Siedentopf:
•    Absprung über Feindesland. Agentinnen im Zweiten Weltkrieg, dtv 2006

Videos über Noor Inayat Khan:
https://www.youtube.com/watch?v=ESeWpx2g_Qo
https://www.youtube.com/watch?v=X2nM12xbAUM
https://www.youtube.com/watch?v=6Kx0yNu-aa8
https://www.youtube.com/watch?v=LNrgnjBkyyI
https://www.youtube.com/watch?v=ESeWpx2g_Qo